German magazine article – “JIM MORRISON STARB IN DER BADEWANNE”

Er war der Sanger
und BoB der Doors, Amerikas
Top-Rockgruppe von
1967 bis 1971. Ein Außenseiter,
der Gedichte
schrieb und Filme machen
wollte. Unter mysteriösen
Umstanden kam er am
3. Juli 1971 in Paris ums Leben.
BRAVO schildert die Hintergrunde . . .


Photo Caption 1 (Band Pic):
Oktober 1968: Jim Morrison mit den Doors vor dem Frankfurter Römer. V.I.: Organist Ray Manzarek, Sanger Jim Morrison, Schlagzeuger John Densmore und Gitarrist Robby Krieger

Nachdenklich schlendert Jim Morrison mit seinem Freund, dem amerikanischen Schriftsteller Michael McClure, über den Pariser Friedhof Pere Lachaise. Es ist der 27. Juni 1971. ,,Hier mochte ich einmal meine letzte Ruhe finden“, sagt er leise. ,,Neben den Gräbern der groBen Dichter Balzac, Moliere und Oscar Wilde oder der Sängerin Edith Piaf.“
Keiner von Jims Freunden nimmt diese Worte ernst. Nicht der Fotograf Frank Lisciandro und nicht Jims Frau Pamela. Seit März leben die vier in Paris. Hier will Jim einen Roman schreiben, Gedichte Überarbeiten, zu einem Band zusammenstellen und das Drehbuch für einen Film vollenden. Um Ideen zu samein, flog er zu Abstechern nah Spanien, Marokko und Korsika. Es Waren friedliche, gliickliche Tage, und die Arbeit ging rasch voran.
Tagsiiber ging Jim meist spazieren, abends lud er seine Freunde zum Essen oder ins Kino ein und ging dann ans Wek. Bis zum Sonnenaufgang saß er oft allein in seinem Hotelzimmer und füllte Seite um Seite. Auch die Nacht zum 3. Juli 1971 verbrachte er wie die vorangegangenen. Bis morgens um vier arbeitete er. Pamela lag im Bett und versuchte zu schlafen. Es Ging nicht. Immer wieder horte sie Jim husten, und sie wuBte, daß er dabei Blut spuckte, daB ihm die Arbeit immer schwerer fiel.
Pamela bat Jim, eine Pause zu machen. Er ließ sich Überreden, ging ins ßad und wollte dann ins Bett. Aber Jim kam in dieser Nacht nicht mehr. Als Pamela besorgt achschaute, lag er mit einem friedlichen Lächeln in der Badewanne. ,,Ich glaubte, er wurde schlafen oder wollte sich einen Spaß machen“, erzahlt Pamela. ,,Ich rüttelte an seinen Schultern, aber Jim sackte nur noch weiter ins Wasser.“
Zehn Minuten später wimmelte es im Hotelzimmer von Polizisten, Sanitätern und Feuerwehrleuten. Ein Arzt stellte den Tu fest: akutes Herversagen. Jim Morrison, Sanger, Boß, Komponist and Texter der Doors, Amerikas Rock-Symbol jener Jahre und berühmtester Rockstar, war tot. Gestorben im gleichen Alter wie Jimi Hendrix und Janis Joplin und – Ironie des Schicksals – am gleichen Tag wie Brian Jones (3. Juli), jedoch zwei Jahre später. Ein Blutgerinnsel hatte eine Ader in seinem Herzen verstopft.
Erst am 9. Juli erfuhr es die Welt. Entsprechende Gerüchte wurden bis dahin dementiert. ,,Wir wollten Jim in aller Ruhe beerdigen, so wie er es sich gewünscht hatte. Wir Wollten nicht, daß Hunderte Fans an seinem Grab wilde Szenen abzogen“, erzahlt Pamela. ,,Nicht einmal seine Freunde von den Doors waren dabei.“
Jim Morrison schien fast täglich mit seinem Tod gerechnet zu haben. In seinem Tod gerechnet zu haben. In seinem Gedichtband. ,,An American Prayer“ schrieb er: ,,Der Tod macht Engel aus uns allen, gibt uns Flügel so weich wie Rabenschwingen. Kein Geld mehr, keine teuren Kleider. Dieses andere Königreich scheint das bei weitem beste zu sein.“
Und als trachte er nur nach diesem anderen Königreich, als sei es das einzige Ziel seines Lebens, so verbrachte er die Tage.

PHOTO CAPTION 2 (Jim Morrison Grave):
Jims Grab auf dem Pariser Friedhof Pere Lachaise. Das falsche Todesjahr 1970 mit der Friedensrune malten Fans auf die Grabplatte

Jim Morrison, der Einzelganger, paßte eigentilcih gar nicht zu der lauten, aggressiven Musik, mit der er berühmt wurde. Seine Fans in Amerika nannten ihn den ,,wilden Engel des Todes“ wegen seiner groben, traurigen Augen, seinen vollen, sinnlichen Lippen und den schwarzen, lockigen Haaren. Sein schmales Gesicht wirkte immer leidend, selten nur erlebten ihn Freunde lachend und glücklich. Seine Stimme war voller Melancholie. Es war eine raue, abweisende Stimme – aber gleichzeitig voller Warme und Gefühl. Stets trug er hautenge, schwarze Lederklamotten mit einem silbernen Indianergürtel.
Der Tod spielte auch in den Liedern von Jim Morrison eine grobe Rolle: In „The unknown Soldier“ sang er: „Es ist alles vorbei für den unbekannten Solsaten.“ Seine Mitmenschen blieben für ihn immer Fremde, mit denen er nichts anzufangen wubte. „People are strange“ (Leute sind fremd) oder „When the Music’s over“ (Wenn die Musik vorbei ist) waren seine besten Lieder.
1965 hatte er die Doors gegründet. Jim Morrison meinte damals: „Zum erstenmal begann ich wirk lich zu leben. Mir Kam es vor, als sei ich 22 Jahre lang ein toter Mann gewesen.“ Von da an lebte Jim Morrison über seine Krafte. Viel zumenig Schlaf gönnte er sich, das verschlimmerte sein Asthmaleiden noch. Trotzdem trieb er weiter Raubbau mit seiner Gesundheit. Wie im Leben war Jim Morrison auch auf der Bijhne. Rücksichtslos, aggressiv, rebellierend – er verausgabte sich so, dab er fast nach jedem Konzert zusammenklappte. „Ich behaupte nicht, ein Prophet zu sein. Die Menschheit ist mutig genug, zu sterben. Alles Alte wird sterben, und wir werden die Welt Übernehmen. . .“, schrie er beispielsweise ins Mikrofon, und die Fans jubelten ihrem ‚Todesengel“ zu.
Jims Ende bedeutete auch das Ende der Doors. Sie versuchte zwar, nach seinem Tod mit einem neuen Sanger weiterzumachen, aber ohne die Songs, die Ideen und die Ausstrahlung von Jim Morrison blieb der Erfolg aus. Im Herbst 1973 trennte sich die Gruppe endgültig.
K. E. Siegfried
Im nächsten BRAVO:
Buddy Hollys Flug in den Tod

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